Rainy Day

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Wo der Farnwedel den Wasserfall streichelt

Die Schaumblasen auf dem Wasser vergehen und bilden sich neu. Geradeso verhält es sich mit den Menschen und ihren Behausungen. Am Morgen stirbt der eine, am Abend wird der andere geboren. Und man fragt sich, warum sie sich quälen, weshalb sie das Auge sich erfreuen lassen bei ihrem flüchtigen Aufenthalt. Wer vermag zu erklären, wofür der Mensch sich so plagt, eine Behausung zu schaffen, wenn sie doch letztlich vergänglich ist, und wie diese ihm solch eine Beglückung sein kann? Dabei scheint es, als ob Herr und Haus darüber wetteifern, wer von beiden wohl zuerst vergehe.
Von meinem Haus auf den Ausläufern eines Vulkans im Norden sehe ich im Westen einen Gebirgsrücken, Süden und Osten fallen zum Pazifik ab, wo ich das Ein- und Auslaufen der Schiffe in einen Hafen beobachten kann. Dort liegen auch meine Reisfelder – ein Teil von ihnen brach nach mehreren Mißernten. Neben den Dieben bedrohen mich Erdbeben und Vulkanausbrüche ebenso wie meine Riesenbäume, die mir über den Kopf gewachsen sind, als ich sie eine Weile nicht beachtete.
Fast 17 Jahre sind verstrichen, seit ich hierherzog. Dieses von mir selbst entworfene und gebaute Haus ist mir vertraute Wohnstätte geworden. Auf den Dächern liegt eine Schicht verwelkter Blätter, und die Gartenmauer hat sich da und dort mit Moos, Flechten und Schlingpflanzen überzogen. Bekomme ich Nachrichten, so erfahre ich meist, daß jemand verstorben ist, seit ich mich in diesen Dschungel zurückgezogen habe. Unmöglich, all die vielen anderen zu kennen, die nun ebenfalls schon tot sind. Und viele, die ein großes Rad gedreht haben, sind schließlich im Gefängnis gelandet.
Mein Haus ist zu groß, weil ich es eigentlich für mich und meine Frau entworfen habe. Es hat mehrere Lager, auf denen ich mich nachts ausstrecken und mehrere Veranden, auf denen ich tagsüber sitzen kann. An dem, was ich zum Wohnen brauche, ist kein Mangel. Weil sich der Einsiedlerkrebs kennt, haust er in einer Muschel, und weil der Fischadler die Menschen fürchtet, lebt er an der rauhen Küste. So ist es auch mit mir. Da ich mich selber kenne und die Welt erfahren habe, bin ich wunschlos, suche keine Geselligkeit, hetze mich nicht ab und bin froh, wenn mich keine Sorgen bedrücken. Nur die Stille begehre ich. Ist etwas zu tun, benütze ich meinen eigenen Körper. Wenn das auch mühevoll ist, so doch einfacher, als andere sich unterzuordnen und zu beaufsichtigen. Mischt man sich nicht unter die Menschen, so entsteht auch keine Scham über verwahrlostes Aussehen.
Ich hege weder Hoffnung, noch quält mich Unzufriedenheit. Nun da sich mein Leben dem Ende zuneigt, gewährt mir ein schmerzfreier Schlummer auf dem Kissen das höchste Vergnügen. Von den großen Hoffnungen des Lebens ist mir der Genuß der sich immerfort verändernden Natur geblieben. Das beständige Kreischen der Zikaden hört sich an, als ob sie über diese sterbliche Welt klagten.
Buddha lehrte, sich nicht an irdische Dinge zu hängen, und so ist sogar die Liebe zu meinem Hause eigentlich ein Vergehen gegen dieses Gebot. Auch meine Neigung zur Einsamkeit weicht von seiner Erkenntnis ab. Doch kann Geselligkeit nicht an die Freundschaft mit Blumen, Ziegen und dem Mond heranreichen. Der Fisch wird des Wassers nicht überdrüssig. Da ich nun allein lebe, läßt sich zumindest das Verhalten des Mundes meistern.
Folgt man der Welt, bereitet man sich Bitternis, folgt man ihr nicht, so gleicht man einem Verrückten. Wer kann die Empfindung für das zurückgezogene Leben erfassen, ohne je so gewohnt zu haben!

sehr frei nach Kamo no Chômei (1155-1216), „Hôjôki

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16 Kommentare zu “Rainy Day

  1. Wer sich wie du auch mit dem SEHEN befasst, arbeitet immer an und für sich selbst, also individuell persönlichkeitsbildend, weil das ist Arbeit am eigenen Filter, an den „Pforten der Wahrnehmung“.
    Oft/manchmal geht es aber auch um den Abgleich solcher Prozesse mit anderen Individuen, das ist höchst spannend, weil Fragen nach den (unterschiedlichen) Wahrnehmungen und deren Ursachen im Raum stehen. Wir lernen also im besten Fall einander verstehen oder das Gegenteil, deshalb machst du diesen interessanten Blog.
    Ja, es ist eine besondere Herausforderung, die geeigneten Bezugspunkte/Gegenstände/Häuser/Wohnungen fürs Sehen und Erleben zu finden und die darauf bezogenen Prozesse zu steuern. Die Qualität des Sehens ist vergleichbar mit Nahrung als Einflussfaktor auf Befindlichkeiten, auf das Denken und Urteilen. Und hier slow-food bitte!
    Unsere Arbeit am Filter befähigt zur Reflexion eigener Standpunkte, um nicht zum eigenen Standpunkt werden zu müssen, weil dann allzu unbewusst gelebt und die eigene Auslegung der Wirklichkeit voreilig für die Wirklichkeit selbst gehalten werden könnte.
    Das, was wir alltäglich so anschauen, hat -anders als Fernsehen- viel mit einer Eigenregie der Bildeinstellungen zu tun, angereichert durch das Bewegungsmoment und/oder den konzentrierten und angehaltenen Blick bzw. Augenblick; wie im Weckglas steht dann die Zeit still, selten ist es so, wie es zu sein scheint, und wirklich eindeutig ist im Spektrum zwischen dem Möglichen und dem Wahrscheinlichen schon mal gar nichts; deshalb arbeite ich gern an der Dekonstruktion von ausgewiesenen Gewissheiten, indem ich sie z.B. mit anderen solchen vergleichend in Beziehung bringe, du machst das auch und dann kann man darüber sprechen, das ist – so wie jetzt hier – mehr als nur „liken“;
    Stimmt, was du sagst, es gibt tatsächlich bestimmte „Werke“ von anderen, die jenseits des Trivialen und Banalen eine besondere Fürsorgepflicht erfüllen, indem sie uns Fragen stellen, die wie eine Selbstzündung die Wahrnehmung der eigenen Wahrnehmung provozieren; nur mit Ergänzungen durch uns sind sie zu verstehen, denn weil wir von ihnen was gefragt wird, müssen wir auch selbst was entscheiden! Die dabei erforderliche Achtsamkeit führt zu stetiger Aktualisierung unserer Beobachtungen und zu Kenntnis-Abgleichen, also zu Lernen in Echtzeit. Unser Leben wird zeigen bzw. entdecken machen, dass das so ist und fragen, wie es genutzt werden kann; nicht mehr, aber auch nicht weniger.

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  2. I love your first piece of writing Tom, you don’t usually write a lot, it seemed to show a different side of you. If I didn’t have a husband I would also be a hermit, because I love silence and dislike social situations, and our house is in an isolated spot in the woods. It would be kind of nice though if you had a real lady in your room instead of the cut-out. Hugs to you.

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  3. WOW, Ratte! Das iss ma wieda ne Steilvorlage, wie ich sie mir auch von anderen wünsche, doch findet das eher selten statt (Warste krank?). Stattdessen hatte ich gerade versucht, die „ausgewiesenen Gewissheiten“ der amerikanischen Missionarin Laura zu dekonstruieren – natürlich erfolglos, denn es hanelt sich um einen Gegenangriff der Christen, denen in den entwickelten Ländern die Schafe weglaufen, und die deshalb die Dummen in den Entwicklungsländern zu überwältigen versuchen. WordPress dient dabei offensichtlich als Werkzeug. Jedenfalls hatte ich das Gefühl, mit einer Gehirngewaschenen zu kommunizieren. Dazu noch der Film „Silence“ von Scorsese, in dem Gott sogar selber spricht – also eine DVD, mit der man besser den Müll verbrennt, obwohl das Thema, die erzwungene Integration in eine andere Kultur, aktuell für mich sehr interessant sein könnte.
    In der Tat sind meine Beiträge auch ein Versuch, nicht verrückt zu werden. Die Isolation, in der ich mich befinde, ist so total wie nie zuvor, und es iss sehr offen, wie das endet. Wahrscheinlich tödlich.

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  4. Jude, I realy write more than I show pictures: Here and here.
    A real lady as a decoration-piece wouldn’t work for her. It’s even hard to find a creative woman with taste. Perhaps I expect too much.
    Hugs anyway.

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  5. ja, krank; sowas kannste am text erkennen, auch wennz da ganich drinsteht? super! jetzt nochne diagnose und du wirst mein arzt, ich hab sonst keinen;
    seit ich mich appnehm-geeignet ernähre, hab ich gicht und platzende backenzähne, das kommt vom körpereigenen fett, das gerade appgebaut wird; es endet übrigens bei allen gleich, offen iss da nix, es sei denn, wir kriegen plätze in sonem raumschiff von außerirdischen und die nehm uns mit…

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  6. Ich hab das nur aus Deiner langen Kommentarlosichkeit gefolgert. Hört sich ja schlimm an. Du weißt ja wenichstens, was mit Dir geschieht. Ich bin da wie ein früher Seefahrer. Fresse jetzt schon Sumpf-Pflanzen, weil meine Ernährung so unausgewogen iss, und ich nur spüre, wie ich untagehe. Sone Art Gicht hab ich in den Händen, weil ich zu viel damit arbeite, und die Zähne lösen sich auch auf. Was sollnse auch sonst machen? Das iss alles nich geheimnisvoll, aba unangenehm. Und wenn ich noch mehr Gewicht verliere, pustet mich der Seewind um.

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  7. na ja, ich halte mich zurück, ich denke, dass iss dir nich bekömmlich gewesen, als ich mal zuviel über jesus hier in deinen block reinschriep; ansonsten wars meistens was zu bildern, und wir waren unterschiedlicher ansichten bezüglich deren bauplan-appsicht; mir gefällt es, wenn ich was neues erfahre, bestimmte kenntnisse sind eben oft versteckt oder sie existieren beim betrachter oder selpst beim hersteller nicht; nichma der rattenfänger weiss, dass der hinduistische elefantengott ganesha ratten als taxi benutzt hat; ja so isses, und für meinen zeh nehm ich jetzt „arcoxia“, echt super, heute sagense alle „mega“; hat jede menge nebenwirkungen, alles mit drin im preis! also von bewegung kommt die podagra nich, die kommt von zuviel oder zuwenich nahrung, also wenn und weil du gewicht verlierst, davon kommtze tot aal gern; und sie geht voll rein in irgendein endglied, zeh bei mir; tat/tut höllisch wee; und mit dem vabrennenden körpafett kommen die live-daten vom zeitpunkt der fett-speicherung zurück innen kopf; das muss man auch ersma aushalten! …aber auffen fotos siehste meistens gesund aus, so um 100 kg werdens schon noch sein, oda?
    ansonsten iss eher “allein und vernünftig“ anstatt “verrückt unter verrückten“ bessa – …macht nach Diderot angeblich weniger Unannehmlichkeiten;

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  8. Das stimmt! Neulich sachte sogar einer in dem Film „The Time Being“ (2012): „Life’s a lot less complicated ever since I stopped hearing women talk.“ Aba als ich mich letztes Mal in Manado inner Apotheke gewogen hab, war’s weit unta 100. Idealgewicht in Bezug zur Körpergröße. Iss aba lange her. Danach brach das Chaos aus, und ich hab saftich abgelegt. Müßte mir ersma ne Waage kaufen, um Genaueres zu wissen, denn die in Manado iss nich mehr. Aba ich seh’s ja auch an meinen Hosen, deren Gürtel ich imma enger schnallen muß, damit ich se nich valiere. Abnehmen iss ganz einfach, wenn’s nich schmeckt, und man auch nirgends was kricht, das schmeckt, bzw. müßte ich es von soweit ranschleppen, daß es mich kaputt macht. Da freß ich doch lieba meine Teiche leer. Und das Übamaß an Arbeit, was ich nu hab, gibt mir den Rest. Essen ernst zu nehmen und denn noch darüba zu blocken, iss ganz ungesund. Und bessa als „arcoxia“ iss „ataraxie“ (Seelenruhe). Jedenfalls wünsche ich Dir gute Besserung! Ma sehn, wer zuerst stirbt. Was iss übahaupt ne „podagra“? Wieda sone rechtsradikale Bewegung?

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  9. proktologen-werbung mit gitarren-komiker?…wenn man nix isst, braucht man sowas?…wo sind übahaupt paul & mary?
    „The Colonoscopy Song“:
    als ich meine Koloskopie hatte, hatte ich eine Frage an meinem Kopf
    Sehen wir alle gleich aus, wenn der Arzt uns von hinten sieht?
    Dann hatte ich die Antwort, ich fühlte mich wie ein Narr
    Denn der Arzt lächelte und sagte zu mir: „Dein Doppelpunkt ist wirklich cool.
    Mein Doppelpunkt ist wirklich cool, was für eine schöne Überraschung
    Er sieht eine Menge von Dickdarm, aber mein Doppelpunkt nahm den Preis.
    Dann fügte er etwas hinzu, das noch göttlicher war
    Wir fanden einen Polypen versteckt, Peter, aber wir haben es rechtzeitig gefangen
    Wir fanden einen Polypen verstecken, nicht so krass klingen
    Aber der Polyp wurde von einer Kamera entdeckt … “

    Meine Mutter und mein Vater sprachen noch heute an mich
    Sie sagten: „Mein Sohn, es scheint, du hast den Polypenpreis gewonnen, Hurra, Hurra, Hurra!“

    Jetzt ist die Kamera, die sie benutzt haben, nicht wie die auf Filmlots
    Es ist eine Kamera, die winzig ist und es nimmt Ihre Aufnahmen
    Es ist eine Kamera, die groovig ist. Es kann drehen und drehen und biegen
    Um deine Dickdarmgeschichte zu filmen und ein glückliches Ende zu sichern.

    Also hör mir genau zu, das ist keine Lüge
    Darmkrebs kann geschlagen werden, wenn Sie nicht Kamera schüchtern sind
    Ruf dich sofort rasch an, kein ifs oder andere buts
    Planen Sie Ihre Koloskopie, ich weiß, Sie haben den Mut.

    Mein Doppelpunkt ist wirklich cool, was für eine schöne Überraschung
    Mein Arzt sieht eine Menge von Kolonnen, aber meine nahm den Preis
    Mine nahm den Preis, meine Freunde, meine nahm den Preis
    Mein Dickdarm ist wirklich groovig, so dass mein Doppelpunkt den ersten Preis erhielt.

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  10. Das muß ne Internet-Übasetzung sein. Die sind ja sowas von genial!
    Mir hamse ma – das wa noch in D – vorne und hinten reingekuckt, weil ich imma so schwere Krämpfe hatte, nachdem ich n falsches Malaria-Medikament (Fansidar) geschluckt hatte. Nix gefunden. Ich hab mich da manchmal aufem Gymnasiums-Parkplatz ins Auto gelegt, damit ich noch weita untarichten konnte, weil wieda irgendwelche Termine eingehalten werden mußten. Danach bin ich mittem Blinddarm-Durchbruch zusammengebrochen, und meine Krankenschwester hat mich knapp gerettet. Deshalb weiß ich, wie das, was mir dann hier passiert iss, als mich ein freundlicher Krebs umbringen wollte, auch in D passiert. Kannste alles im „Waldschrat“ nachlesen (Warten auf Adermann).
    Der Peter leidet übrigens an Depression.

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  11. ja, das sieht man, depression kommt von zu vielen darmspiegelungen; es gipt leute, die lassen alle 2 wochen eine machen und haben die depression, weil es hinten nicht mehr dicht iss; na klar, manchmal braucht man hilfe; ich hatte neulich einen wurm im linken auge, das war im sichtfeld störend, wenna sich bewegt; frag ich den augenarzt woher sowas kommt, sagt der doch „bin ich hellseher…und wennse blitze sehen, sofort ins krankenhaus“ …da geh ich nun auch nich mehr hin…

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  12. Du warst ja schon imma etwas merkwürdich, aba nen Wurm im Auge iss einfach tu Matsch.
    Der letzte deutsche Augenarzt hatte seine Praxis in Schessel gerade komputerisiert. Als ich ankam, wunderte er sich, wie ich mit DER Brille übahaupt zu ihm gefunden hatte. Dann verschrieb er mir exakt die gleichen Gläser. Das hat leida erst der Optiker gemerkt.

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